27. September 2017 ✦ by Ulrike Kokolsky

Lesezeit: 3 Minuten

Stolzkopfiges Eselsohr

Tränen liefen über mein Gesicht.

Ich war starr vor Wut und diesem ohnmächtigem Verlustgefühl.

„Ich bin von dir genervt“, hatte er mir gesagt, und mich fortan mit dem schrecklichsten Blick betrachtet, der aus seinen wundervollen Augen schauen konnte.

Manchmal konnte er so unglaublich fies sein: besonders an den Tagen vor meiner Regel und auch, wenn ich mir sowieso schon nicht gut gefiel. Ja, da traf mich seine Ehrlichkeit immer ganz besonders tief ins Herz und ich wollte nichts anderes, als es ihm gleich zu tun.

All die Bosheit, die ich mir nur ausdenken konnte, machte sich wie eine kleine, glimmende Glut unter dem nadeligen, trockenen Waldboden breit.

Das Schlimmste daran war, dass ich nicht mehr denken konnte. Und ich fing an Dinge zu tun und zu sagen, die einzig dafür sorgten, dass er sich schlecht fühlte – wenigstens für diesen klitzekleinen Moment.

Ich wollte ihn genauso verletzen, wie er mich, obwohl er einfach nur ein wenig genervt war.

Gleiches mit Gleichem, damit wenigstens der Stolz seine Genugtuung erfuhr.

Wie viele Jahre – Jahrzehnte meines Lebens habe ich mich so furchtbar verhalten – und  viel wichtiger – wie viele wirklich tolle Männer habe ich damit vergrault.

Irgendwann viel später fing ich an, mich zu fragen, hey, warum verletzt mich das überhaupt?

Ich bin hübsch, habe ein wundervolles Leben und bin intelligent genug, mir das Leben so zu bauen, wie ich es am Liebsten mag.

Warum tat ich es nicht oder tat ich es nicht mehr?

Warum empfand ich ein „Ich will heute Abend allein sein“, wie ein „Ich will dich nie wieder in meinem Leben haben“?

Warum nahm ich Alles in meinem Leben so furchtbar persönlich und katapultierte mich jedes Mal mit diesen Gedanken in diese bescheuerte „Ich bin nicht gut genug Mühle“ und damit ganz weit ins Aus.

Ja, ich hatte offensichtlich ein Problem.

Ich hatte so Vieles erlebt, da konnte es doch nicht so schwer sein, mich anzusehen, in mich hineinzuhorchen und verdammt noch mal heraus zu finden, womit ich mich glücklich machen konnte.

Mich glücklich machen – das war irgendwie neu.

Was ist Glück?

Ist es Glück, wenn ich jemandem eine Freude mache und der dann strahlt, wie ein Honigkuchenpferd?

Ist es Glück, wenn ich, nur damit niemand böse auf mich ist, sämtlichen Konflikten aus dem Weg gehe?

Macht es mich glücklich, wenn ich Dinge mache, die ich nur deswegen mache, damit ich jemandem gefalle?

Und wie komme ich überhaupt darauf, jemandem gefallen zu wollen?

Warum mache ich mir vor mich selbst besser zu finden, wenn andere mich toll finden?

Das ist doch totaler Wahnsinn!

Unbeschreibliche Ruhe machte sich in mir breit, als ich den Wald und nicht mehr nur die Bäume sah.

Ich verstand und begriff, worum es ging.

Mochte ich mich, wenn ich so vollkommen bescheuert und wütend reagierte? Nein, ich mochte mich nicht – kein Stück.

Ich begann, mir zu überlegen, wie ich stattdessen sein wollte.

Ich wollte lieben anstatt zu hassen. Ich wollte mich mit mir gut fühlen.

Und so begann mein Weg.

Seit diesem Tag verbrachte ich viel Zeit damit, mir zu überlegen, wo ich hin wollte.

Welcher Mensch wollte ich im nächsten Jahr oder in 5 oder in 10 Jahren sein.

Wie wollte ich leben und was war dafür notwendig.

Und eines Tages sah ich in den Spiegel und sah genau diesen Menschen vor mir – keine 5 oder 10 Jahre später.

Es war von Anfang an in mir – Ich war in mir.

Ich lachte mich an und weinte. Ich gewöhnte mir an vor dem Spiegel zu tanzen und lieb das noch heute so sehr.

Ich schrieb kleine Texte, mit deren Hilfe ich denen, die mich irgendwann mal verletzt haben, verzieh und las sie unendlich oft vor – bis ich irgendwann vergab.

Nicht nur den anderen, sondern vor Allem mir selbst.

Und dann wurde Alles so einfach und unglaublich schön:

Ich begann mich echt zu mögen.

Das erste Mal in meinem Leben war ich so dicht bei mir. Ich musste nichts mehr für irgendjemanden tun, sondern nur für mich und für mein eigenes Glück.

Wie hast du es geschafft, dein Leben mit Liebe und Lachen zu füllen?

Erzähl mir, wie du zu einem so tollen Menschen geworden bist und wie du die kleinen und großen Stolpersteine überwunden hast.

Habt einen ganz wundervollen Tag.

Eure Uli

 

Lesezeit: 3 Minuten


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